Das Glaubenslexikon enthält Auszüge aus dem Buch 'Glauben - ein Lexikon für Jugendliche' von Thies Gundlach und Ralf Meister. Es ist erschienen im Gütersloher Verlaghaus. Einige Punkte wurden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg ergänzt.
A
Abendmahl
Das Abendmahl knüpft an das letzte gemeinsame Essen Jesu mit seinen Jüngern kurz vor seinem Tod an. Nach jüdischem Brauch hatte Jesu bei diesem Abendmahl das Brot gebrochen und es mit einem Segenswort weitergegeben, anschließend wurde der Wein gesegnet und herumgereicht. Im Christentum hat sich schnell nach dem Kreuzestod Jesu eine Tradition gebildet, die eine gemeinsame Mahlzeit als Erinnerung an Jesus feierte. Es entwickelte sich die Vorstellung, daß sich durch eine bestimmte Zeremonie Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi verwandeln. Dieser Gedanke bringt zum Ausdruck: Christus ist mitten unter uns, wenn wir diese Mahlzeit feiern. Bis heute spielt das Abendmahl in den christlichen Kirchen eine wichtige Rolle und wird als Sakrament verstanden.
Advent
bedeutet Ankunft. Die Ankunft Gottes bei den Menschen, die Weihnachten mit der Geburt Jesu in Bethlehem gefeiert wird, soll mit der Adventszeit vorbereitet werden. Ursprünglich war die Adventszeit eine Fastenzeit und dauerte bis zum 6. Januar.
Altar
Der Altar ist ursprünglich eine Opferstätte gewesen. Auf den Altären wurden Früchte, Brot, Weihrauch aber auch Tiere und sogar Menschen geopfert, um die Götter gnädig zu stimmen, ihnen zu danken oder sie um etwas zu bitten. In christlichem Verständnis ist der Altar kein Opfertisch mehr, weil Christus durch seinen Tod solche Opfer für alle Zeiten überflüssig gemacht hat. Dennoch hat der Altar in den Kirchen eine wichtige Funktion. Er ist deshalb künstlerisch reich gestaltet und wurde oft von der Gemeinde durch Altarstufen, Schranken oder Lettner abgetrennt. In vielen katholischen Kirchen befinden sich im Altar Reliquien (Knochen, Haare, Gegenstände) von berühmten Märtyrern, auch das Abendmahlsbrot wurde im Altar aufbewahrt. Am Altar wird das Abendmahl vorbereitet, und die Gemeinde versammelt sich vor oder um den Altar, um es zu empfangen. Deshalb heißt der Altar auch ›Tisch des Herrn‹. Heute versucht man, den Altar der Gemeinde zugänglich zu machen und ihn in den Mittelpunkt zu rücken. Der Altar ist der Ort, an dem man sich Gott besonders nahe weiß. Er hat eine heilige Aura, die man zu respektieren hat.
Anno domini
Lateinisch für Im Jahr des Herrn. Gemeint ist das Jahr nach Christi Geburt. Abgekürzt A. D.
Antependium
Lateinisch für Vorhang. Man bezeichnet die Verkleidung – meist kostbar gewebter Stoff – vor dem Altar als das Antependium. Die Antependien sind alle textilen Verkleidungen in der Kirche am Lesepult, Altar und an der Kanzel.
Apokalypse
Apokalypsen sind Fantasien, Bilder und Geschichten über das Ende der Welt. Seit 2500 Jahren gibt es Versuche, die Neugier über das Ende aller Zeiten mit großartigen Szenen zu beschreiben und zu befriedigen. Meist kommt es in diesen Erzählungen zum Kampf zwischen den guten und den bösen Mächten, und es gibt eine zentrale Figur, die als Retter erscheint und eine neue Welt / ein neues Reich ankündigt. Aus solchen Geschichten entstand eine eigene Literaturgattung: die Apokalypse. Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes ist eine apokalyptische Darstellung aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Für Christen ist die Zusage Jesu, dass er auch am Ende aller Zeiten bei den Menschen bleibt, wichtiger als die Spekulation über das Wo und Wie. In der Offenbarung 21,4 heißt es dazu: »Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.«
Apostel
heißt übersetzt »Gesandter«. Ursprünglich bezeichnete das Wort Menschen, die mit der Vollmacht des Sendenden ausgestattet wurden, um z. B. eine Nachricht zu überbringen. Die Missionare des Urchristentums trugen den Titel Apostel. Die 12 Jünger Jesu (für Judas wurde ein anderer nachgewählt) und Paulus gehörten zu den Aposteln. Grundlegend für das Selbstverständnis der Apostel war der unmittelbare Umgang mit Jesus oder wie bei Paulus mit dem auferstandenen Christus. Aus diesem Kontakt leitete sich die besondere Autorität der Apostel ab.
Aschermittwoch
ist der Tag, mit dem die Vorbereitungszeit auf das Osterfest beginnt. Mit dem Aschermittwoch fängt in der evangelischen und katholischen Kirche die vierzigtägige Vorbereitung auf das Osterfest an. Asche gilt seit alters her als Zeichen der Buße. In manchen Aschermittwochsgottesdiensten wird Asche geweiht und anschließend damit ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.
Asket
ist ein Mensch, der aus religiösen Gründen auf bestimmte Dinge verzichtet (Reichtum, Sex). Der Verzicht im Fasten ist z.B. kein Selbstzweck, sondern dient zur inneren Reinigung. Jesus war kein Asket und hat von seinen Jüngern auch keine Askese verlangt (Markus 2,19).
Astrologie
ist die Lehre von der Bedeutung der Sterne für das menschliche Leben. Im Unterschied zur Astronomie ist die Astrologie, die in Horoskopen Ausdruck findet, keine anerkannte Wissenschaft. Das Christentum hat zu Beginn einige Erklärungen der Astrologie akzeptiert (Weisen aus dem Morgenland), sie später aber als Aberglauben bekämpft.
Asyl
Eine Zufluchtsstätte für verfolgte Menschen. In Israel galt der Altar als Asylort, an dem Menschen vor Verfolgung und Blutrache geschützt waren (2.Mose 21,13-14). Auch heute werden vereinzelt Kirchenräume als Asylorte bezeichnet und dienen Menschen, denen die Abschiebung droht, als Ort, an dem sie vor staatlicher Verfolgung sicher sind (Kirchenasyl). Allerdings gibt es kein staatliches Recht, das diese Schutzfunktion des Kirchenraums sichert.
Auferstehung
ist ein zentrales Motiv bei der Entstehung des christlichen Glaubens. Nach dem Kreuzestod Jesu wurde die Verzweiflung der Jünger durch die Auferstehung Jesu in Freude und Zuversicht verwandelt. Mehrfach erscheint der auferstandene Christus den Jüngern, tröstet sie, legt ihnen die Bibel/ Altes Testament aus und isst gemeinsam mit ihnen.
Wie Jesus bereits zu Lebzeiten Tote auferweckt und Menschen ins Leben zurückgeführt hat, so bedeutet seine Auferstehung für alle Christen ein verändertes, neues Leben. Durch die Auferstehung Christi ist die Macht des Todes als Endpunkt allen Lebens gebrochen. Es gibt genauso ein Leben nach dem Tod wie ein Leben vor dem Tod. Die Auferstehung ist für viele Christen eine Hilfe zur sinnvollen Lebensgestaltung schon in dieser Welt. Lebensfeindliche Einstellungen können das Leben zur Hölle machen, es dem Tod ausliefern. Ein Leben in Hass oder Aggression, in ständiger Enttäuschung oder Verletzung kann mich innerlich absterben lassen, auch wenn ich äußerlich noch lebe. Die Auferstehung Christi ist die Hoffnung, dass es schon jetzt und hier ein sinnvolles und erfülltes Leben gibt.
Das Ereignis der Auferstehung ist seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. das wichtigste Fest der Christen in aller Welt und wird als Osterfest gefeiert.
Ave Maria
Lateinisch für Gegrüßet seist Du, Maria (Lukas 1,28). Ein bekanntes Gebet in der katholischen Kirche. Schon im Mittelalter wurde das Ave Maria zum Rosenkranz gebetet. Kirchenmusikalisch spielen unterschiedliche Vertonungen dieses Bibeltextes eine Rolle, sowohl bei Trauungen als auch bei Beerdigungen.

